Zusammenfassung:
Die Jahrhunderte der Urvampire vergehen. Verbissen geführte Machtkämpfe untereinander kosten letzte Kraftreserven. Die verzweifelte Suche nach der Schattenchronik, der Bibel der Vampire, aktiviert in London einen mehrere tausend Jahre alten Virus. Cassandra Benedikt, eine Spezialagentin von New Scotland Yard, kehrt mit Hilfe von Mick, dem Voodoovampir, aus dem Reich der Toten zurück und begibt sich, getrieben von ungestümer Liebe, auf die Suche nach ihrem ehemaligen Partner. Nur mit ihm kann der Kampf gegen die schnell anwachsende Schar der Neuvampire aufgenommen werden. Normale Bürger werden zu reißenden Bestien. Scheinbar willkürlich töten sie ihre Opfer. Doch hinter allem verbirgt sich ein großer Plan. Wer sind die größten Blutsauger auf diesem Planeten?
Der ehemals erfolgreiche Geschäftsmann John Jonson durchlebt den Tiefpunkt seines Lebens. Die Veränderung zum Vampir kommt ihm da gerade recht. Warum hat man gerade ihn ausgewählt, dass Geheimnis der Schattenchronik zu enträtseln?
Kommentar:
Das ist sie nun. Die langersehnte Fortsetzung der Schattenchronikreihe. Nicht nur optisch hat die Serie einen kompletten Neustart vollbracht, auch inhaltlich trennen sich hier alte Themen und Weggenossen. Viele Charaktere wie z.B. Dilara, Calvin, Guardian werden hier nicht mehr namentlich genannt. Sie gehören wohl lizenzrechtlich zur Ur-Serie unter dem Autoren- und Markennamen Wolfgang Holhlbein. Die Fortsetzung läuft unter dem alleinigen Namen Schattenchronik und führt hauptsächlich die Handlung um Mick Bondye und Cassandra Benedikt fort. Ein Zeitsprung und eine Vampirseuche werden zur neuen Bühne, doch weiterhin stehen die mysteriöse Schattenchronik selbst und die Suche nach ihr im Mittelpunkt. Dazu kommen neue, schrille und teilweise kuriose Charaktere.
Insgesamt geht die Serie komplett weg von der nostalgisch, romantischen Vampirthematik. Der schon in den letzten Bänden der „alten“ Reihe angedeutete Trashcharakter wird weiter ausgebaut. Nur kurz driften die Texte dabei sogar ins plumpe ab, was schon in den kurzen Leseproben zu erkennen ist. Doch dies sind nur kurze Aussetzer, die immer wieder von einer gelungenen und spannenden Gesamtkonzeption aufgefangen werden.
Für Leser der alten Serie sind die Wiederholungen der Geschehnisse um Casandra und Mick nicht gerade berauschend, aber auch nicht wirklich langweilig. Insgesamt erzählt Karo van Thu diese Passagen, die bereits in Calvin und den Folgebänden erzählt wurden, aus einem etwas anderen Blickwinkel und in einem anderen Stil. Das macht das „erneute“ Lesen durchaus interessant. Einige Dinge werden nachträglich „hingebogen“, damit sie in die neue Handlung passen.
Der aktuelle Band trägt die Nummer 1. Somit ist die neue Schattenchronik wirklich absolut als Neustart zu sehen. Durch die Ausführung als umfangreiches Hardcover wird die ganze Sache enorm aufgewertet. Die Illustrationen auf dem Schutzumschlag und auf den Vorsatzseiten des Romans sind sehr gelungen und tragen ebenfalls zum guten Gesamteindruck bei. Aber auch inhaltlich ist der Neustart der Serie durchaus gelungen. Die neue Schattenchronik wirkt wie ein Film von Quentin Tarantino: blutig, trashig, erbarmungslos und ein wenig abgedreht.