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SF 132Sternenfaust
Band 132
Das Urteil des Raisa

Autor: Michelle Stern
Cover: Arndt Drechsler
Erscheinungsdatum: 23.02.2010
Genre: Science-Fiction

Zyklus: Erzengel-Zyklus

Sternensonde Wertung:
Gut

Zusammenfassung:

Der Friede, der im Moment in der Galaxis zwischen den unterschiedlichen Völkern herrscht, hängt an einem seidenen Faden. Noch immer herrscht allgemein eine angespannte Atmosphäre des Misstrauens.

Ein Allianzangebot der J'ebeem veranlasst die Menschen eine Abordung nach Ebeem zu senden. Neben Izanagi Narada ist auch Frieda Gudmundsdottir dabei und soll zusammen mit Botschafterin Wanda Ngogo die Verhandlungen führen. Bei dieser diplomatischen Reise verliebt sich der Triumvirat Gondrel Harath in Frida. Zunächst zeigt er seine Gefühle für die Menschenfrau nicht. Doch nach und nach wird klar, dass er sich von ihr angezogen fühlt. Das Vertrauen zwischen den beiden wird jedoch getrübt, als die J’ebeem das Bündnisangebot fallen lassen, und offensichtlich wird, das der Pakt eine Finte war.

In Matlanor auf Kridania macht der junge Raisa Seran-Pakor gegen alle Regeln die Priesterin Saha-Fera zu seiner Gespielin. Er will sein Volk in einen erneuten Krieg mit den Menschen treiben. Das kann auch sein Mentor Satren-Nor nicht mehr verhindern, als die Kridan von den Paktplänen von Menschen und J’ebeem erfahren. Ein diplomatischer Besuch der Menschen mit der STARLIGHT kann die Situation nicht retten. Die Kridan stellen den Menschen ein Ultimatum, das Jasper Mitchell jedoch ablehnt. Der Krieg wird unvermeidbar. Die Abordnung der Menschen wird auf Kridania festgenommen und in einer wahnwitzigen Rettungsaktion werden die Diplomaten der Erde aus der Gefangenschaft gerettet. Dabei setzen die Kridan ihre neuen Schiffe ein, die das Unternehmen nicht leichter werden lassen. Doch es gelingt. Dass der Raisa unter fremder Beeinflussung steht, ahnt im Moment noch niemand. Er tötet Saha-Fera aus Angst, sie könnte sein Geheimnis verraten. Sie hatte bei ihrer körperlichen Annäherung an den Raisa eine knorpelartige Verdickung in seinem Nacken gespürt.

Kommentar:

Die Kridanromane waren von Beginn der Serie an nicht immer mein Fall. Michelles Beitrag ist zwar von der Dramaturgie her sehr schön aufgezogen, aber leider mündet er in eine erneute Auseinandersetzung mit den Geierköpfen und wieder ist eine Beeinflussung eines Kridan (in diesem Fall der Raisa selbst) durch Fremde der Auslöser für Schwierigkeiten. Auch war mir die Liebesschmonzette zwischen Frida und Harath teilweise etwas zuviel des Guten. Der Roman wirkte insgesamt etwas zerfahren und mir persönlich fehlte der Pep. Die actionlastige Befreiungsaktion auf Kridania wirkte etwas langatmig und in dieser Ausführlichkeit etwas deplaziert.

Was wieder nicht abzustreiten war, ist der gute und flüssig zu lesende Schreibstil von Michelle Stern, der den Roman wieder aufwertet. Trotz allem schafft es die Autorin, die Geschichte zu keiner Zeit langweilig wirken zu lassen. Ihre Charaktere - und hier sind besonders die Kridan zu erwähnen - wirken sehr authentisch und die Interaktionen der handelnden Personen sind überzeugend. Das hier mehr dahintersteckt als der freie Wille des Raisa war erahnbar, aber trotzdem mit dem Spannungsbogen zwischen Prolog und Finale spannend und außergewöhnlich aufgelöst. Das macht die ganze Sache wieder rund und den Roman letztendlich gut.

Dieter Krämer (Sternensonde)

Weitere Lesermeinungen:

Aldebaran (Bastei-Forum)
Gut
Kabale und Liebe: Während dieses abstruse politische Konstrukt aus »Unabhängigem Diplomatischen Corps« und hauptamtlichen Vertretern der Solaren Welten auf Ikendar gerade in die Bündnisfalle der J'ebeem stolpert, erklärt der Raisa der Menschheit tatsächlich den Krieg. Ich frage mich, woher die Söhne Ebeems die Sicherheit nehmen konnten, daß ihre Rechnung auch wirklich aufgehen würde? Das Angebot eines Bündnisses an die Solaren Welten ist deshalb m.E. nur der sichtbare Teil der fiesen Intrige. Die J'ebeem müssen darüber hinaus auch bei der sonderbaren Wandlung des Raisa gewaltig ihre Finger im Spiel haben. Nur so wird umgekehrt ein Schuh daraus. Weil Saha-Fera auf Matlanor während einer Liebesnacht mit Seran-Pakor das Geheimnis des Raisa ohne es selbst zu durchschauen entdeckt, schubst der Kridanherrscher oder der, den man dafür hält, sie nachts darauf vom Dach des Palasts.
Die GalAb schläft bisher. Vielleicht kann die Christophorer-Schwester Frida, die im Verlauf der weiteren Handlung zarte - wenn auch nicht unkomplizierte - Bande mit dem Triumvir Gondrel Harath knüpft, die Galaktische Abwehr ja aufwecken?

Dem hinterhältigen Affront mit der Festsetzung der diplomatischen Abordnung der Menschen auf Befehl des Raisa folgt eine beispiellose und rasante Befreiungsaktion durch die Marines der STARLIGHT. Ich verstehe zwar nicht, warum die StarCorps-Schiffe neuerdings nur noch mit Torpedos um sich schießen, aber das tut meiner Genugtuung über den glücklichen und erfolgreichen Ausgang des Rettungskommandos keinen Abbruch.

Hermes (Bastei-Forum)
Geht so
Gehen dem STERNENFAUST-Team allmählich die Ideen aus? ;-)

Kridankrieg zum Dritten. Beeinflussung der Kridan durch fremde Mächte zum Zweiten. Äffäre zwischen Menschenfrau und J'ebeemmann zum Zweiten. Ich habe noch die tollen Roman Band 82 und 111 von Michelle über die Kridan in Erinnerung und war deshalb sehr gespannt, was sie diesmal schreiben würde.

Die J'ebeem machen den Solaren Welten ein Bündnisangebot. Als die Menschen annehmen wollen, gibt es ein Ultimatum der Kridan. Jasper Mitchel lässt sich nicht erpressen und so kommt es zur Kriegserklärung. Die J'ebeem lassen das Bündnisgangebot fallen. Das ganze war eine Finte. Auf Kridan begegnen wir wieder Sun-Tarin, dem Raisa, Satren-Nor und der Eierlegerin Saha-Fera. Der Raisa grübelt über alten Schriften und verändert sich, während Saha-Fera von düsteren Visionen geplagt wird. Dazu gibt es noch eine heisse Liebesgeschichte zwischen Schwester Frida Gudmundsdottir und dem Triumvir Gondral Harath. Soweit so gut, alles sehr schön und atmosphärisch dicht beschrieben.

Aber da gibt es auch noch diese Befreiungsaktion auf Kridan. Der Raisa hat den irdischen Botschafter und seine Begleitmannschaft inhaftiert. Die STARLIGHT startet eine Befreiungsaktion. Diese macht rund ein Viertel des Romans aus und zieht den ansonsten guten Gesamteindruck doch sehr nach unten. Da werden die naturwissenschaftlich-technischen Grundlagen (auch der Serie selbst) doch arg strapaziert.

Die Kridan verbieten der STARLIGHT sich dem Planeten weiter als 2000 Kilometer zu nähern und die Menschen sind vor den Kopf gestossen. (S.40) Warum eigentlich? Für ein Schiff, das riesige Gasplaneten zerstören kann, ist das eine lächerliche Entfernung, etwa 4 bis 5 mal weiter entfernt als eine Raumstation.

Da wird von einer Reichweite der Waffen von unter 3000 KM gesprochen. (S.60) Wie sollen damit Gefechte ausgetragen werden? Bei einer Geschwindigkeit von nur 0,1 LG legt ein Schiff in der Sekunde etwa 30.000 Km zurück.

Dann gibt es plötzlich Strahlen, die auch einen Masse-Anteil haben. (S.58)
Wie bitte schön soll das gehen? Energie (=Strahlung) ist per Definition keine Masse.

Dazu kommen haarsträubende Flugmanöver, die logisch nicht mehr nachzuvollziehen sind. Und der ganze Plot wirkt einfach extrem unrealistisch.

Da wird eine neue Waffe der Kridan beschrieben, die nach wenigen Treffern die STARLIGHT vernichten kann. Kurz darauf wird eine kleine Landefähre getroffen und kann trotzdem zurück zum Mutterschiff fliegen. Die Landefähren waren bisher wenig mehr als plumpe, kaum geschützte Beiboote. Woher sollen sie auch die Energie für ausgeprägte Schutzschirme nehmen. Und die zweite Landefähre landet auf dem Planeten, befreit die Gefangenen aus einem Hochsicherheitsgefängnis und legt die Hauptstadt in Schutt und Asche. Das Ganze ohne eigene Verluste!
Man stelle sich das einmal vor. Die Kridan erklären den Solaren Welten den Krieg und trotzdem kann eine einzige Landefähre die Hauptstadt mit dem heiligen Raisa vorort vernichten! Die Systemverteidigung ist völlig hilflos, hat weder den HD-Manövern der STARLIGHT etwas entgegenzusetzen, noch kann man die langsame, plumpe Landefähre stoppen. Die Gefechte sind ein reines Tontaubenschiessen. Die gut gepanzerten Marines schiessen die Kridan nach Belieben ab.

Warum haben die Solaren Welten eigentlich Angst vor den Kridan? Die drei Wandlerschiffe auf Tour schicken, und man hat es gar nicht nötig, die Schiffswaffen einzusetzen, jeweils eine Fähre runterschicken und den Planeten verwüsten.

Solange die Kämpfe eher im Hintergrund abliefen wie zu Beginn des letzten Zyklus konnte man solche Schwächen vernachlässigen. Aber wenn ihr die Kämpfe und Raumschlachten jetzt in das Zentrum der Romane rückt, sollten solche Klopfer nicht vorkommen.